Deutschland erlebt nach 2018, 2022 und 2025 in diesem Jahr das vierte extreme Dürrejahr innerhalb von 8 Jahren. Das Defizit beläuft sich im laufenden Jahr bereits auf 20 bis 30 %, im Sommer teilweise sogar auf mehr als 50 %. Besonders eklatant ist der Niederschlagsmangel in Süden und Westen, wo teilweise nicht mal ein Viertel des sonst üblichen Niederschlags gefallen ist. Im Flächenmittel kamen in diesem Jahr ca. 360 l/m² zusammen, auf Grundlage vieljähriger Mittelwerte müssten es jetzt aber schon 460 l/m² sein. Es fehlen also ganze 100 l/m² und damit fast 2 durchschnittliche Monatssummen an Niederschlag.
Persistente Hochdruckwetterlagen mit viel Sonnenschein und oft auch trockener Hitze begünstigen eine starke Evapotranspiration, also eine Verdunstung von Wasser über Böden und freien Wasserflächen sowie über Plfanzenteilen, womit alles um uns herum immer weiter austrocknet. Und da "von oben" kaum etwas nach kommt, landet auch immer weniger in den Flüssen. Die sporadisch auftretenden, lokalen Schauer und Gewitter sind der wortwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Dazu kommt eine massive Schneearmut in den Alpen und damit auch fehlendes Schmelzwasser. Bezeichnend: Teile der alpinen Gletscher verzeichneten eine rekordverdächtig frühe Ausaperung. Noch nie schmolz die schützende Schneedecke so früh wie in diesem Jahr. Verschärft wird die Situation durch eine teilweise übermäßige Wasserentnahme durch den Menschen.
All das führt zu einem fortwährenden Absinken der Flusspegel und des Grundwasserspiegels. Man kann fast schon von einem ungebremsten Sinkflug sprechen. Vielerorts werden bereits rekordniedrige Wasserstände registriert. 80% der Oberflächengewässer führen zurzeit Niedrigwasser, 30 % sogar extremes Niedrigwasser. Besonders betroffen ist der Rhein, inklusive des Bodensees, und die Donau. An der Donau wird an unglaublichen 74 % der Messstellen extremes Niedrigwasser gemeldet.
Am Pegel Konstanz wurde am 05. August ein Wasserstand von 285 cm gemessen. Damit liegt der Wert bereits deutlich unter dem Rekordminimum für diese Jahreszeit. Der Normbereich liegt bei etwa 400 cm, also über 1 Meter höher. Durch den niedrigen Wasserstand haben Schiffe zunehmend Probleme, ihre Liegeplätze zu erreichen. In Verbindung mit extrem hohen Wassertemperaturen kommt es zu einem Blaualgenbefall, als Folge dessen bereits Bade-Warnungen ausgesprochen werden mussten.
Am für die Schiffahrt so wichtigen Pegel Kaub wurde am 05. August ein Wasserstand von 20 cm gemessen. Dies entspricht dem tiefsten bisher bekannten Wert an dieser Stelle. Noch am selben Tag soll der Pegel die 20 cm unterschreiten. Ähnlich sieht es am Pegel Köln aus. Auch hier sank der Wasserstand vorübergehend auf ein Rekordminimum vom 66 cm.
Die niedrige Flusspegel in Deutschland belasten die Wirtschaft und die Binnenschifffahrt schwer. Frachtschiffe können oft nur noch mit stark reduzierter Ladung fahren, was zu höheren Transportkosten, Lieferengpässen in der Industrie und spürbaren Dämpfern für das Wirtschaftswachstum führt. Ökonomen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) warnen, dass anhaltendes Extrem-Niedrigwasser das deutsche Wirtschaftswachstum (BIP) um 0,4 Prozentpunkte senken.
Die fortschreitende Dürre in Deutschland verursacht massive Probleme in fast allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen, die weit über die Schifffahrt hinausgehen. Betroffen sind vor allem die Nahrungsmittelproduktion, die Ökosysteme und die langfristige Trinkwassersicherheit.
Landwirtschaft
Durch die anhaltende Hitze wächst auf den Weiden kein Gras mehr nach. Viehhaltende Betriebe müssen Winterreserven verfüttern oder Tierbestände reduzieren. Feldkulturen wie Mais, Gemüse und Getreide vertrocknen auf den Feldern. Im Gegensatz zu Hagelversicherungen sind Dürreversicherungen in Deutschland extrem teuer und kaum verbreitet, was viele Landwirte in die Existenzkrise treibt.
Ökologie
Ausgetrocknete Böden und totes Holz wirken wie Brandbeschleuniger. In Deutschland brennen vermehrt Felder und Wälder. Laut dem UFZ-Dürremonitor herrscht im tiefen Gesamtboden (bis 2 Meter Tiefe) eine extreme Dürre. Bäume erreichen kein Grundwasser mehr und sterben großflächig ab.
Infrastruktur
Fast jeder zweite Landkreis in Deutschland leidet unter sinkenden Grundwasserpegeln. In vielen Regionen drohen temporäre Wasser-Engpässe. Behörden verbieten bereits das Rasensprengen, Poolbefüllen oder das Abpumpen von Wasser aus Bächen und Flüssen.
Die Situation wird sich voraussichtlich noch weiter verschärfen. Denn nennenswerte, vor allem flächige Niederschläge bleiben bis mindestens Wochenfrist aus. Und auch danach deutet sich kein wirklich niederschlagsreicher Wetterabschnitt an.
Niedrige Pegelstände, anhaltende Dürre und zunehmende Wasserknappheit sind längst keine Einzelfälle mehr – sie sind Ausdruck einer sich verschärfenden Wasserkrise, hervorgerufen durch die sich beschleunigende Klimakrise. Diese Entwicklung gefährdet Natur, Landwirtschaft, Wirtschaft und unsere Trinkwasserversorgung. Es ist höchste Zeit, dass die Politik diese Situation als das anerkennt, was sie ist: eine Krise. Statt nur auf akute Folgen zu reagieren, braucht es entschlossenes Handeln, langfristige Strategien und wirksame Maßnahmen zum Schutz unserer Wasserressourcen.