Es ist der 16. Juni, das Thermometer zeigt am Mittag 19 °C, die Sonne blinzelt nur schüchtern zwischen den Wolken hindurch und der nächste Schauer kündigt sich auch schon am Horizont an. "Das ist doch kein Sommer!", hört man immer häufiger. Doch denjenigen, die angesichts der eher unsommerlichen Witterung zurzeit etwas verstimmt zu sein scheinen, möchte ich sagen: Genießt es! In ein paar Tagen dürften wir - schweißgebadet vor dem Überstunden schiebenden Ventilator sitzend - neidvoll auf die angenehm kühlen Temperaturen zurückblicken und sagen: "Mensch, was ging es uns gut damals".
Westeuropa-Hitze auf dem Weg nach Mitteleuropa!
In Westeuropa ist die Hitze schon angekommen. 36 °C in Bordeaux am Montag! Normalerweise herrschen dort zu dieser Jahreszeit Temperaturen von rund 25 °C. Mit Winddrehung auf Süd/Südwest sickert die Heißluft langsam aber sicher auch bei uns ein. Die 30-Grad-Marke (per Definition ein "Hitzetag") wird am Mittwoch zunächst nur am Oberrhein, am Donnerstag dann schon in der gesamten Südhälfte und am Freitag und Samstag fast landesweit überschritten (Hochlagen und Küstenumfeld ausgeschlossen). Am heißesten wird es in den bekannten Wärmehochburgen im Südwesten. 37 oder 38 °C sind drin - das sind außergewöhnlich hohe Werte, die eigentlich erst im Hochsommer im Juli und August auftreten und selbst dann eher Seltenheitswert haben.
Doch damit nicht genug! Zu allem Überfluss wird die Luft auch noch drückend schwül und die Wärmebelastung noch einmal um ein Vielfaches heftiger ausfallen. Verantwortlich dafür zeigt sich ein hoher Wasserdampfgehalt der Luftmasse. Kein Wunder: die Luft wird nämlich auf ziemlich direktem Wege vom subtropischen Nordatlantik zu uns geführt, wie die Rückwärtstrajektorien verdeutlichen.
Hitzegewitter: Lokal, aber heftig!
Feucht-heiße Luftmassen sind ein idealer Nährboden für Gewitter. Am Donnerstag, insbesondere aber am Freitag und am Samstag entwickeln sich diese bevorzugt über dem Bergland sowie in der Peripherie schwacher Tiefausfläufer im Norden und Nordwesten. Es handelt sich dabei eher um kleinräumige Phänomene, die bei weitem nicht jeden treffen. Aber wenn, können diese heftig ausfallen und Starkregen, Hagel und schwere Sturmböen bringen.
Entspannung im Norden - länger Hitze im Süden?
Ab Sonntag könnte sich hinter einer schwachen Kaltfront zumindest im Norden vorübergehend etwas weniger heiße und schwüle Luft durchsetzen. Der Süden und Südwesten merkt davon aber wahrscheinlich nichts - im Gegenteil. Zu Wochenbeginn könnte sich die Hitzewelle zu einem neuen, vorläufigen Höhepunkt aufschwingen. Dann wären je nach Modellberechnung sogar Höchstwerte bis an die 40 °C möglich.
An dieser Stelle muss aber betont werden, dass die Prognosen zunehmend unsicher werden. So oder so scheint es zumindest im Süden und Südwesten auf eine länger anhaltende, womöglich historische Juni-Hitzewelle hinauszulaufen.
Quellen: kachelmannwetter.com, https://www.ready.noaa.gov/hypub-bin/trajtype.pl