Sunshine-Bias in der Berichterstattung
Ein Wetterbericht ist kein Unterhaltungsformat und keine Bewertung des Wetters als „gut“ oder „schlecht“, sondern ein möglichst neutraler, wissenschaftlich fundierter Bericht über die erwartete Entwicklung der atmosphärischen Bedingungen.
Medien hingegen folgen selten dem Ideal einer nüchternen, wissenschaftlichen Wetterkommunikation. Um Aufmerksamkeit zu erzeugen und an bestehende Erwartungen des Publikums anzuknüpfen, werden Wetterlagen oft emotional aufgeladen und mit vertrauten Bildern verknüpft. Sonnenschein und hohe Temperaturen werden dabei traditionell mit Freizeit, Urlaub und Lebensfreude assoziiert. Problematisch wird dieses Deutungsmuster dann, wenn selbst gefährliche Extremwetterereignisse positiv gerahmt und deren Risiken dadurch verharmlost werden.
Hitze - eine "stille Naturkatastrophe"
Ein solches, durch Medien häufig "romantisiertes" und dadurch völlig verklärtes Extremwetterereignis sind Hitzewellen. Im Gegensatz zu vielen anderen Extremwetterereignissen wird Hitze oft nicht unmittelbar als Gefahr wahrgenommen. Während Stürme, Starkregen oder Hochwasser sichtbare Schäden verursachen, entfalten sich die Folgen extremer Hitze meist schleichend und bleiben weniger sichtbar. Hinzu kommt, dass warme und sonnige Tage kulturell häufig mit Urlaub, Freizeit und Lebensqualität verbunden werden. Diese positiven Assoziationen prägen auch die mediale Darstellung von Hitzewellen, die nicht selten mit Bildern von Badeseen, Eiscreme oder Sonnenwetter illustriert werden. Dadurch kann der Eindruck entstehen, Hitze sei vor allem angenehm, obwohl sie zu den tödlichsten wetterbedingten Naturgefahren zählt und erhebliche gesundheitliche, ökologische und wirtschaftliche Folgen haben kann.
Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung verursachte Hitze im Zeitraum von 2000 bis 2021 einen volkswirtschaftlichen Schaden von insgesamt 41,6 Milliarden Euro - mehr als Sturm, Hagel und Schnee zusammen.
📅++ Heute ist bundesweiter #Hitzeaktionstag🌡️ ++ Der #Klimawandel führt nachweislich vermehrt zu extremer #Hitze. Diese schadet nicht nur #Mensch und #Umwelt, sondern verursacht auch immense #Kosten für die #Volkswirtschaft und #öffentliche #Finanzen. Ein 🧵 1/5.
Das Beratungsinstitut PROGNOS hat in einem Bericht für das Bundesarbeitsministerium von Februar 2026 ausgerechnet, dass sich die direkten betriebswirtschaftlichen Kosten eines einzelnen Hitzetages (Temperaturen von mind. 30 °C) auf rund 431 Millionen Euro belaufen.
Laut WHO kommt es weltweit im Durchschnitt zu etwa 489.000 hitzebedingten Todesfällen pro Jahr. In der europäischen WHO-Region entfallen davon jährlich mehr als 175.000 Todesfälle.
Extremhitze erfüllt demnach die wesentlichen Merkmale eines Unwetters: Sie stellt eine akute Gefahr für Gesundheit, Infrastruktur, Umwelt und Wirtschaft dar und fordert regelmäßig zahlreiche Menschenleben. Aus meiner Sicht haben die Medien eine gewisse Verantwortung, Extremhitze als ernstzunehmde Gefahr darzustellen. Eine klare Berichterstattung kann helfen, die Folgen sichtbar zu machen und zu mehr Aufmerksamkeit, Vorsorge und Schutzmaßnahmen zu führen.